Reifen, Pech und Pannen

Wer kennt nicht das legendäre und härteste Langenstreckenrennen der Welt. Das 24h Rennen auf dem Nürburgring. Kappeler Motorsport hat im Jahre 2017 erstmals unter eigener Regie, mit einer besonderen Mission, an diesem Härtetest für Mensch und Material teilgenommen. Mit dem Ausgang des Rennens war man im Kappeler Team alles andere als zufrieden. Nach 120 Runden streikte die Technik und das Team war zum Aufgeben verdonnert.

Wie bereits erwähnt war es für das kleine, in der Kurstadt Bad Saulgau (Baden-Württemberg) ansässige Motorsportteam, das erste 24h Rennen unter eigener Führung. Auch für den aus der Schweiz stammenden Willy Hüppi war es das erste Rennen rund um die Uhr. Hüppi greift in diesem Jahr gemeinsam mit den drei Stammfahrern Thomas Gerling (Uchte), Harald Hennes (Eschweiler) und Thomas Kappeler (Bad Saulgau) ins Lenkrad des weißen Porsche bei den Langstreckenrennen der VLN (Veranstaltergemeinschaft Langstreckenrennen Nürburgring). Ein Jahr hat das Team, bestehend aus Enthusiasten, auf dieses Mega Event 24h im Mai 2017 hingearbeitet.

Aber Kappeler Motorsport startet nicht, ohne eine Überraschung – die besondere Mission – in Petto zu haben. Während der Vorbereitungszeit reifte die Idee eine Art Spendenlauf zu initiieren. Für jede gefahrene Rennrunde des Porsche geht ein Spende an den Deutschen Kinderschutzbund e.V.. Auch die Partner von Kappeler Motorsport waren von der Idee begeistert. Durch die Bekanntmachung dieses Spendenmarathons konnten noch zusätzliche Partner gewonnen werden. Man kann den Erfolg an den vielen Namen und Aufklebern auf dem Auto erkennen. Hier möchte sich das Team bei allen Partnern recht herzlich bedanken.

Die Stimmung im Team war vor der Anreise ausgesprochen gut. Alle freuten sich auf die Hatz gegen die Uhr. Kämpfen gegen die aufkommende Müdigkeit. Fast eine Woche zusammen mit dem Team. Motoviert bis in die Haarspitzen. Das waren die Worte einzelner Mitglieder.

Bereits am Montagabend vor dem Rennen machte sich ein Teil des Trosses auf den Weg in die Eifel. Begann hier schon das Pech? Ein Reifenschaden am Servicetruck mit einem Folgeschaden verzögerte die Anreise um Stunden. Aber dort zeigte sich bereits die Technikmannschaft als Improvisationstalent. Sie schafften es den Truck in die Gänge zu bekommen.

Die Tage vor dem Rennen wurden genutzt um Trainingsfahrten und Qualifikationsrunden zu drehen. Es ging alles sehr ruhig ab.

Freitag, einen Tag vor dem eigentlichen Rennen, begrüßte das Team 13 Kinder und zwei Betreuer vom Deutschen Kinderschutzbund e.V. Diese sind vom Team Kappeler Motorsport eingeladen worden. Am Abend wurde mit den Kindern im Streckenabschnitt Schwalbenschwanz gemeinsam gegrillt.

Samstag 27.5.2017. Der Renntag begann bei aller bestem Wetter. Wie die Tage vorher knallte die Sonne vom Himmel auf die Eifel. Zwei Teammitglieder betreuten die Kinder während des gesamten Aufenthaltes an der Rennstrecke. Mit Ihnen zusammen erlebten sie Rennsport hautnah. Vom ADAC Nordrhein wurde eine geführte Boxenführung ermöglicht. Der Trubel in der Boxengasse konnte ebenso genossen werden, wie das ein oder andere Eis. Es wurde den Kindern einiges geboten und sie hatten augenscheinlich Spaß bei der Sache.

In der Boxengasse und auch in der Startaufstellung wurde der Porsche von Kappeler Motorsport oft fotografiert und man konnte dem ein oder anderen Kommentar entnehmen, das diese Mission „Race for Kids“ gut angekommen ist. Dem Team wurden ganz mächtig die Daumen gedrückt.

Um 15.10 Uhr ging Startfahrer Thomas Gerling in die Einführungsrunde. Mit Startplatz 40 von 160 Startern war die gesamte Truppe recht zuversichtlich. Das Rennen geht über 24 Stunden. Bei vergangenen Langstreckenrennen in der VLN hat das Team bereits auf seine Konstanz hingewiesen. Schließlich bewegen die Nordschleifenspezialisten den Porsche mit annährend gleichen Zeiten über die Eifelrennbahn. In der Klasse SP7, wo Kappeler Motorsport angetreten ist, verzeichnete man den vierten Startplatz. Um 15.30 Uhr schaltete die Startampel auf Grün. Gerling gaste nicht ganz so viel an um das Auto über die Distanz zu bringen. Er verzichtete gar auf Überholvorgänge wenn es nicht eindeutig war ob der Vordermann ihn gesehen hatte. Trotz aller Vorsicht holte er nach vorne auf. Planmäßige Boxenstopps mit Fahrer- und Reifenwechsel, Tankvorgängen und Reinigungsarbeiten an den Scheiben verliefen sehr routiniert. Alles lief perfekt. Bereits nach 5 Stunden Renndauer fand man den Porsche unter den Top 30, genau auf P29 und auf einem dritten Platz in der SP7.

Nach sieben Rennstunden: Gesamtplatz 25 und Platz 2 in der Klasse. Alle waren zufrieden! Keine besonderen Vorkommnisse. Mit dem weiteren Rennverlauf ging es für das Team im Zeitentableau immer weiter nach oben. Führungskilometer in der Klasse konnte das Team verzeichnen. Die Fahrer steckten die Hitze im Cockpit gut weg.

In der Nacht begannen die Probleme. Ein Reifenschaden war der Beginn einer ganzen Reihe von Defekten. Der Defekt wurde durch ein Technikerteam, das von der Box zur Strecke entsendet wurde, behoben. Als sich das „schwarze Gold“ in seine Bestandteile auflöste verursachte es einen Folgeschaden. Das Team meisterte diese Reparatur vorbildlich. Die Fahrer machten den Rückstand auch wieder wett. Leider wurde diese Aufholjagd wiederum durch einen Ausgefallenen Sensor beendet. Hier jetzt alle Schäden der Nacht aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Kurz. Nach einigen verschiedenen Sensoren, zwei Benzinpumpen, klemmende Ventilchen, unzähligen Reifen und Fahrerwechsel fand sich die Truppe bei Tagesanbruch auf dem zweiten Platz in der Klasse SP7 und auf Gesamtplatz 40 wieder. Hier hat das gesamte Team gezeigt, was Mitglieder mit Herzblut, zu leisten im Stande sind.

Man kämpfte um Topplatzierungen. Egal ob Thomas Gerling, Harald Hennes, Willy Hüppi oder Thomas Kappeler als Fahrer. Sie fuhren mit Kopf. Steckten zurück wo es sein musste, traten das Gaspedal voll durch wo es möglich und nötig war. Vermieden den Lackaustausch mit anderen Fahrzeugen. Ziel der Fahrer war es, immer den Spendenlauf im Hinterkopf, nicht nur viele Runden zu fahren, sondern wenn ein Sieg in der Nähe scheint, dann möchte man auch gerne oben auf dem Treppchen stehen.

Die Zielflagge beendete die 45.Ausgabe des 24h Rennens auf dem Nürburgring um 15.30 Uhr am Sonntag den 28.05.2017. Leider verfolgte Kappeler Motorsport den sehr spannenden Zieleinlauf im Fahrerlager auf dem Fernsehbildschirm.

Nach 20 Stunden, 31 Minuten und 35 Sekunden, oder 120 Rennrunden musste der weiße – mit den bunten Kinderhänden beklebte Porsche – abgestellt werden. Das Getriebe hat einen an der Strecke irreparablen Schaden erlitten. Hier waren die Grenzen der Mechaniker erreicht. Die Schaltbox, die extra vor dem Rennen erneuert wurde, hat umgerechnet lediglich ca. 3045 Kilometer den Rennbetrieb verkraftet. Enttäuscht packte das Team ein. Die Mechaniker haben quasi bis zum letzten Blutstropfen gekämpft. Kleine Schürf- und Schnittwunden, Brandblasen und Müdigkeit hielten sie nicht davon ab den Porsche im Rennen zu halten. Alle Bemühungen wurden nicht belohnt, waren aber nicht umsonst.

Denn ein lachendes Auge hat das Team dennoch. Durch den Spendenlauf und den 120 gefahrenen Rennrunden spendet alleine das Team Kappeler Motorsport 1.200 € an den Deutschen Kinderschutzbund e.V.. In den nächsten Tagen wird noch der genaue Betrag ausgerechnet die von den Partnern von Kappeler Motorsport beigesteuert werden.

Teamchef Thomas Kappeler fand nach dem Einsatz lobende Worte an seine Mannschaft. „Willy mit seinem ersten Einsatz bei einem 24h Rennen hat bei Tag und Nacht eine super Leistung abgeliefert. Wir sind ein Team aus lauter freiwilligen Top Leuten die sich ohne Gegenleistung sämtlichen Strapazen hingeben und dabei noch unglaublich Spaß machen!“

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